Grün und weiß wie lieb ich dich

Aus der Geschichte des „Fußballclubs Luzencia Niederlützingen 1919 eV“ – Fußballer und Tischtennisspieler konnten zahlreiche Erfolge feiern

Der Sport ist ein nicht wegzudenkender Bestandteil unserer Gesellschaft, weil er eine prägende Kraft sowohl für den aktiven Sportler als auch für den zuschauenden Anhänger darstellt. In Niederlützingen prägt seit mehr als acht Jahrzehnten der Fußballclub „Luzencia“ (FCL) das sportliche Leben entscheidend. Mit seinen rund 150 Mitgliedern ist er nicht nur der größte sporttreibende Verein, sondern bei weitem auch der traditionsreichste. Die beiden Abteilungen „Fußball“ und „Tischtennis“, die der FCL unterhält, konnten im Verlaufe der Jahrzehnte große Erfolge feiern.

Der „Fußball“ in der heutigen Form - Volkssport Nr. 1 in der Welt - hat seine Ursprünge in Großbritannien. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verbreitete sich die Sportart vom „Mutterland England“ aus auf den europäischen Kontinent. Erste Vereine entstanden, die sich schließlich im Jahre 1900 zum „Deutschen Fußballbund“ zusammenschlossen.

In Niederlützingen gründeten fußballbegeisterte junge Männer kurz nach dem 1.Weltkrieg einen Verein: den „Fußballverein Niederlützingen“, der am 25. Juni 1919 ins Leben gerufen wurde. Ziel war laut vorliegender Statuten, „den Fußballsport zu fördern, und zwar zur Bildung und Kräftigung des Körpers und des Geistes“. Als Sportplatz diente wahrscheinlich ein zwischen Nieder- und Oberlützingen gelegenes Gelände, das die amerikanischen Besatzungstruppen als Truppenübungsplatz ausgebaut hatten. Natürlich war das Interesse groß, Mitglied im Fußballverein zu werden. Ein in der Satzung festgelegtes Mindestalter – man musste „das 16. Lebensjahr erreicht haben“ – sorgte allerdings für Unmut.

Folglich wurde nur neun Monate später, am 15. April 1920, ein zweiter Fußballverein gegründet: der „Fußball-Club „Luzencia“ Niederlützingen. Hier durfte Mitglied werden, wer „das 14. Lebensjahr“ erreicht hatte. Der Name „Luzencia wurde irrtümlicher Weise für die lateinische Bezeichnung von „Lützingen“ gehalten. Zum 1. Vorsitzenden des jungen Vereins wurde Josef Drolshagen gewählt, sein Stellvertreter war Carl Bettendorf. Die anderen Vorständler: Johann Horn (Schriftführer), Peter Schmitz (Kassierer), Josef Gammel (Spielwart) und Josef Engels (Gerätewart). Leider ist dem Gründungsstatut kein Mitgliederverzeichnis beigefügt, aus dem man die Vereinsstärke sowie die Namen der Mitglieder hätte ersehen können.

Fortan bestanden in Niederlützingen zwei Fußballvereine. An einer Meisterschaftsrunde beteiligte sich zunächst jedoch keiner von beiden, ausgetragen wurden lediglich Freundschaftsspiele, damals „Fußballwerbespiele“ genannt. 1921 nahmen beide Vereine an einem Fußballturnier in Oberlützingen teil. Bei dieser Veranstaltung wurden Mannschaftsfotos gemacht. Es sind die ältesten Bilder, die von den beiden Vereinen existieren. 1923 wurde der „Fußballverein“ aufgelöst und in den FCL integriert. Beide Vereine waren überein gekommen, dass es auf Dauer nur einen Fußballverein geben könnte. Mündlicher Überlieferung zur Folge fand am Osterfeiertag 1923 ein Entscheidungsspiel darüber statt, welcher Verein zukünftig existieren sollte. Der Fußballverein verlor, wurde aufgelöst, sein Gründungsjahr dem Vereinsnamen FCL Niederlützingen angehängt.

Der FCL wurde in den nachfolgenden Jahren stetig weiter aufgebaut und beteiligte sich ab 1924 auch an Meisterschaftsrunden. Problematisch war in den Anfangsjahren die Sportplatzfrage. Es gab lange keine für einen Fußballplatz geeigneten Grundstücke. Der Verein benutzte mehrere Flächen als Sportgelände, stellte allerdings bereits Mitte der zwanziger Jahre regelmäßig Anträge an die Gemeinde, ein dem damaligen Basaltbruch „Steinbergskopf“ benachbartes Grundstück als Fußballplatz auszubauen. Es dauerte dann aber insgesamt sieben Jahre, ehe das Vorhaben verwirklicht werden konnte. Am 8. August 1932 wurde der Sportplatz „An der Kapp“ mit einem Fußballturnier eingeweiht. Auf diesem Gelände, das die Aktiven, die Mitglieder und zahlreiche Freunde des Sportvereins monatelanger Arbeit in Eigenregie zu einem Fußballplatz umfunktioniert hatten, spielt der FCL bis zum heutigen Tag. Auch die Tatsache, dass die meisten Arbeiten an dem Sportgelände in Eigenregie durchgeführt werden, hat sich bis in die Gegenwart erhalten.
Sportlich ging es mit dem FCL bereits seit Ende der zwanziger Jahre bergauf. Die Mannschaft konnte mehrere Meisterschaften feiern und gewann zudem im Jahre 1930 den Pokal des Gaues Andernach-Mayen. Um den Fußballsport dauerhaft zu gewährleisten, wurde Nachwuchsarbeit betrieben. In den 30er Jahren tauchte in Tabellen und Ergebnislisten mehrfache eine Jugendmannschaft des FCL Niederlützingen. auf, die sich an Punkterunden beteiligte.

Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939 brachte den gesamten Sportbetrieb zum Erliegen. 1945 begann für den FC „Luzencia“ die Stunde Null. Die meisten Männer, die in den dreißiger Jahren aktiv gewesen waren, waren zum Militär eingezogen worden. Einige hatten ihr Leben gelassen, viele waren in Gefangenschaft geraten und noch nicht in die Heimat zurückgekehrt. Es waren folglich vielfach Jugendliche, die sich im Herbst 1945 um die Reaktivierung des Fußballclubs bemühten. Am 1. Dezember wurde der FCL offiziell wieder ins Leben gerufen. Wenige Wochen später trat der FC Rhenania Gönnersdorf zu einem Freundschaftsspiel auf der Lützinger Höhe an. Er war das erste Spiel nach dem 2. Weltkrieg. Da zu wenig Seniorenspieler da waren, bildete der FCL 1946 zunächst eine Juniorenmannschaft, die um die Verbandsmeisterschaft mitspielte. Im Verlaufe des Jahres waren einige erwachsene Spieler aus der Gefangenschaft zurückgekehrt, so dass 1946/47 wieder ein Senioren-Team gemeldet werden konnte. Von regelmäßigen Spieltagen konnte damals aber keine Rede sein. Einige Mannschaften wurden im Verlaufe der Punkterunde abgemeldet. Um Auswärtsspiele bestreiten zu können, benötigten die Vereine die Genehmigung des Sportoffiziers der französischen Besatzungstruppen. Dieser hatte in Mayen seinen Sitz und stellte die entsprechenden Genehmigungen ausschließlich samstags aus. Wie zu den Auswärtsspielen kommen? Oft fuhr Peter Mosen die Mannschaft mit seinem Lkw. Den nötigen Brennstoff „Holz“ mussten die Kicker selbst besorgen. Sportlich ging es mit dem FCL in dieser Zeit bergauf. Schließlich spielte die Mannschaft 1950 sogar in der Bezirksklasse.

Im Jahre 1956 konnte der FCL eine A-Jugendmannschaft für die Punkterrunde anmelden. Daneben unterhielt der FCL noch zwei Seniorenmannschaften. Das Jahr 1956 ist noch aus einem anderen Grund bedeutend für die Vereinsgeschichte: Der im Jahre 1953 gegründete Tischtennisclub „Olympia“ Niederlützingen schloss sich als Abteilung dem FCL an und erweiterte so sportliche Angebot des Fußballclubs (Näheres dazu in einem gesonderten Text).Das Jahr 1957 bildet einen weiteren Meilenstein in der Historie des FCL. In diesem Jahr wurde der Sportplatz grundlegend saniert und erweitert. Im August erfolgte die Einweihung der modernisierten Sportstätte. Der FCL feierte die Eröffnung mit einem „Tag des Sports“. Auf dem Programm stand u.a. ein Staffellauf durch Niederlützingen. Danach ging es in einem Festzug zum Sportplatz. Dort segnete der damalige Pastor Friedrich Blott die Sportanlage ein und führte anschließend den Anstoß für das Hauptspiel des Tages „FCL 1. Mannschaft gegen A-Junioren des TuS Neuendorf“ aus.

In den 60er Jahren kam der Spielbetrieb aufgrund von Personalengpässen zeitweise zum Erliegen. In der Saison 1966/67 erfolgte wieder eine Beteiligung an der Meisterschaft, die gleich mit dem Titelgewinn endete. Wenige Jahre später wurde dann auch wieder eine A-Jugend gemeldet. Ab 1971 kam es zu einem kurzzeitigen Aufschwung im Jugendbereich. Zeitweise konnten jeweils eine C-, B- und A-Jugendmannschaft gemeldet werden. Mitte der 70er Jahre war es mangels Betreuer dann aber vorbei mit der Nachwuchsarbeit. Das spürte auch die Seniorenmanschaft, die wieder in arge Personalnöte geriet und ab der Saison 1978/79 der SG Brohltal (mit der Spvgg Burgbrohl, dem TuS Niederoberweiler und dem SV Glees) beitreten musste.

Zu Beginn der achtziger Jahre trat der FCL dann wieder allein im Kampf um die Meisterschaft an. Der Vertrag mit der SG Brohltal wurde aufgelöst. Der Fußball erlebte in Niederlützingen wieder eine Phase des Aufschwungs. Erstmals seit den fünfziger Jahren konnte wieder eine zweite Mannschaft gemeldet werden. Jugendmannschaften kamen hinzu. 1981 wurde erstmals eine Dorfmeisterschaft für Straßenfußballmannschaften ausgerichtet. Diese Veranstaltung wurde überaus positiv angenommen und bis heute beibebalten.

Mehrere Meisterschaften und damit verbundene Aufstiege konnten gefeiert werden, der Verein musste aber auch Abstiege in Kauf nehmen. Da im Jugendbereich zunehmend Personalprobleme auftraten, schloss sich der FCL 1983 mit dem VfL Brohl zu einer Jugendspielgemeinschaft zusammen. Dieser Bündnis war jedoch nicht von Dauer und wurde schließlich nach einigen Jahren beendet.

In den neunziger Jahren spielte die beiden Seniorenmannschaften des FCL mit unterschiedlichem Erfolg. Oft fehlte es an Aktiven. Außerdem schlich sich mehr und mehr eine „Söldnermentalität“ ein. Die Vereine, die den Spielern die besten finanziellen Anreize boten, hatten Zulauf. Da konnte der FCL als kleiner Verein nicht mithalten. Von kontinuierlicher Jugendarbeit konnte in dieser Zeit auch nur ganz bedingt die Rede sein. So wie dem FCL erging es auch benachbarten Vereinen, zum Beispiel dem VfL Brohl. Um den Fußballsport in Brohl-Lützing auf Dauer zu sichern, schlossen sich im Juni 1997 die Jugendfußballabteilungen des FCL Niederlützingen und des VfL Brohl zur Jugendspielgemeinschaft Brohl-Lützing zusammen. Im Jahr darauf folgte der Zusammenschluss der beiden Senioren-Fußballabteilungen zur SG Brohl-Lützing. Im März 1998 unterschrieben Hans-Peter Gammel (1. Vorsitzender des FCL Niederlützingen) und Hermann Fuchs (Fußballabteilungsleiter des VfL Brohl) einen entsprechenden Vertrag. Seitdem gehen die Fußballer der beiden Ortsteile gemeinsame Wege. In der Saison nach der Gründung beteiligte sich die Spielgemeinschaft mit drei Seniorenmannschaften an den Meisterschaftsrunden. Die 1. Mannschaft spielte in der Kreisliga A, der höchsten Klasse auf Kreisebene; die beiden anderen Teams waren darunter angesiedelt. Die Seniorenmannschaften hatten es in den kommenden Jahren aufgrund sehr dünner Spielerkader und fehlender Finanzen aber schwer, die gesteckten Ziele zu erreichen. Die Spielgemeinschaft musste einen enormen Aderlass verkraften. Dieser war verbunden mit einem sportlichen Abstieg. Derzeit – Saison 2007/8 – beteiligt sich eine Seniorenmannschaft an der Punkterunde. Sie tritt in der Kreisliga C an.
Das Hauptaugenmerk galt und gilt natürlich auch dem Nachwuchsbereich. Hier war in den ersten Jahren ein enormer Aufschwung zu verzeichnen. So beteiligte sich die JSG Brohl-Lützing beispielsweise 2003 mit insgesamt sieben Mannschaften an Meisterschaftsrunden. In den nachfolgenden Jahren wurde es aber auch hier ruhiger. Gegenwärtig gibt es im E-, F-Jugend und Bambini-Bereich eigene Teams; Kinder im D- und C-Jugendalter spielen per Gastspielerlaubnis bei benachbarten vereinen. Jugendliche der A- und B-Jugend sind in die JSG Bad Breisig eingebunden, in der Nachwuchsfußballer aus Bad Breisig, Brohl-Lützing, Gönnersdorf, Waldorf, Franken und Königsfeld mitwirken.
Wie in den Gründerjahren, nehmen die Verantwortlichen des FCL auch heute noch zumeist alles in die eigene Hand, wenn es darum geht, Arbeiten am Niederlützinger Sportplatz auszuführen. In den siebziger Jahren konnte in Eigeninitiative eine Flutlichtanlage erstellt werden. 1997/8 errichteten FCLler die jetzige FCL-Sportlerhütte in Eigenleistung. Mit diesem Umkleidegebäude verbesserten sich nicht nur die Unterstellmöglichkeiten der hiesigen Sportler enorm. Es wurde ein Wasseranschluss zum Sportplatz verlegt, der die Installierung von Duschen ermöglichte. In den nachfolgenden Jahren gingen die Arbeiten am Niederlützinger Sportplatz weiter. Im Sommer 2002 wurde der komplette Ballfangzaun in Eigenregie erneuert. Anfang 2003 erhielt der Sportplatz einen Stromanschluss, so dass die Zeit des Stromaggregates vorbei war. Parallel dazu bemühten sich die Verantwortlichen des FCL darum, eine den Bedürfnissen des Sportplatzes entsprechende Zuwegung zu bekommen. Schließlich wurde in Verhandlungen ein Kompromiss erzielt: Der Weg vom Ortsausgang bis zum Schützenplatz erhielt eine Teerdecke, der weitere Verlauf bis zum Sportplatz wurde saniert. Die zuständige Landepflegebehörde hatte leider nicht erlaubt, auch diesen Bereich zu asphaltieren.

In jüngster Vergangenheit machten sich insbesondere Jürgen Dargel und Horst Schlaf um unseren Sportplatz verdient. Die beiden äußerst aktiven Rentner installierten Sitzbänke im Umkleidegebäude, rodeten das komplette Gelände um die Spielfläche und waren mit allerhand anderen Instandsetzungsarbeiten beschäftigt. Alle Arbeiten haben letztendlich nur ein Ziel: dem Fußballsport in Niederlützingen zeitgemäße Rahmenbedingungen zu verschaffen.

Sämtliche Aktivitäten sind natürlich ehrenamtlich. Dieses ehrenamtliche Engagement kennzeichnet den FCL Niederlützingen seit seiner Gründung vor knapp 90 Jahren. Es bleibt zu hoffen, dass dies auch in Zukunft der Fall sein wird. Ohne die Arbeit dieser Idealisten würde unser Verein sicherlich schon lange nicht mehr existieren. (- Achim Schmitz -)